Sailing 2020

Video zu diesem Törn         irandar - YouTube 

Am 26. April  2020 sollte es losgehen Richtung Ostsee nach Heiligenhafen. Leider ist dem nicht so. Die Kraft von Convid 19 hat einiges auf dieser Welt im Griff, viele trifft es hart. 
Wegen dem ungewissen Verlauf dieser Pandemie werde ich meinen Törn auf das nächste Jahr verschieben und hoffe das die Natur es zulässt.


Unterdessen liess es mir keine Ruhe und dachte, irgend etwas muss gehen. Ich bin ja schliesslich bereit.
Nun werde ich am Samstag den. 05. Sept. 2020 die Peel nach Genua fahren. Dort ein wassern und im Ligurischen Meer einfach einmal los segeln Richtung Korsika.

In Genua organisierte ich das einwassern der Peel sowie das unterbringen der Fahrzeuge.
Es brauchte etwas Geduld, trotzdem es klappte dann alles bestens. 
Die folgende Nacht im Schiff  (Peel) genoss ich wesentlich mehr als auf dem Trailer.
Am  dritten Tag freute ich mich, endlich Genua zu verlassen. Das Gefühl mit der Peel auf das offene Meer hinaus zu segeln, war irgendwie befreiend und spannend. Vor allem wie verhält sich das Schiff in den Wellen.
Kaum draussen überraschte mich ein heftiger Wind , bedeutend stärker als angesagt.
Mit solch einer Ueberraschung muss man zurecht kommen.
Reff 1 kurz darauf Reff 2 Grossegel gefiert so dass es nicht killte. Der Windmesser schwankte zwischen 20 und 30 knoten Wind. Auf halbem Wind bei immer höher werdenden Wellen hatte ich die Peel eigentlich ordentlich im Griff. Ich brauste immer wieder bis zu 10 Knoten über Wellen.
Unterdessen wurde ich nässer, es spritze über den Bug und da ich relativ nahe am Wasser bin traf mich auch die Gischt , die sich von den Schaumkronen löste. Nach eineinhalb Stunden beruhigte sich der Wind wieder. Das brauchte ordentlich Kraft.
Auf diese weise hatte mich das Ligurische Meer Empfangen.
Jetzt bin ich in Viareggio und Morgen früh möchte ich Gorgona anpeilen, eine kleine Gefangenen Insel. (Wikipedia)

Am Freitag 11.09.2020 hatte ich einen spannenden langen Tag vor mir. Darum war Tagwache schon um 0400 h. 
Ziel ist die kleine Gorgona Island nordöstlich von Korsika gelegen. Da gibt es einen kleinen Hafen der für die Peel wegen der geringen Tiefe geeignet ist. Den Vorteil benützte ich natürlich. 
Die Insel ist ein Gefangenen Lager daher bin ich gespannt wie ich da empfangen werde.
Bei Annäherung versuchte ich auf Ch 16 Kontakt aufzunehmen. Es meldete sich aber niemand.
Also entschied ich, in den kleinen idyllischen Hafen einzufahren.
Plötzlich hörte ich im Funk "Sailingboat, Sailingboat no visite" Ich antwortete nicht.
Meine Neugier war zu gross und war desshalb frech genug , einfach in den Hafen einzufahren.
Das ist nicht unbedingt meine Art. Ich denke ,da geht auch nicht immer alles mit rechten Dingen zu.
Im Hafen angekommen, sah ich Männer die im Hafenbecken badeten, herumsitzten und mir zuwinkten. Plötzlich tauchte ein uniformierter Beamte auf und wies mich unfreundlich ab.
Als er die Schweizer Flagge sah, rief er "oh Swizzera" er musste lachen, seine Stimme wurde angenehmer. Er erzählte mir ein wenig um was es hier geht. (Wikipedia)
Danach verabschiedeten wir uns freundlich. Ich zeigte Respekt.
In meinem Innern war ich etwas stolz, einer unschönen Realität, wie im Film begegnet zu sein.
Es fuxte mich schon etwas, dass ich nicht an Land gehen durfte. 
Denke aber es war besser so.
Und jetzt gab es für mich nur eine Möglichkeit , nach Capraia zu segeln
Während der Fahrt versuchte ich einen Anlegeplatz per Funk zu sichern.
Leider gab es kein Platz mehr. Ich fand 2 sm südlich von Port Capraia einen von wuchtigen Felsen umgebenen geeigneten Ankerplatz.
Am Abend war ich zu müde um ein richtiges Menü zu kochen, darum gab es nur Brot, Käse, Le Parfait und Früchte
Weiter ging es am Morgen Richtung Korsika.

Die Nacht am Anker in der Bucht von Cala del Ceppo in Capraia war schon etwas unruhig.
Windgeschützt aber Dünung südöstlicher Richtung brachte das Schiff immer wieder ordentlich ins schwanken. Der Vorteil in der kleinen Kajüte ist, es wirft dich nicht weit herum ,du hast immer ein Griff in der Nähe.
Trotzdem gut geschlafen, da ich sicher war der Anker hält die Peel fest im sandigen Untergrund.
Bei der Überfahrt nach Korsika bin ich 3 1/2 h gesegelt  und3 1/2 h mit dem Motor vorangekommen. 
Musste aber feststellen ,dass ich sorgsamer  mit dem Strom umgehen muss.
Bei ruhiger fahrt ist es einfach bequemer die automatische Pinnensteuerung arbeiten zu lassen.
In Korsika angekommen hatte ich in der Marina de Luri die Peel an der Mooring fest gemacht und  kurz darauf bin ich in eine Hafenkneipe gesessen und ein grosses Bier getrunken. Ein schöner Moment.

Nach zwei  Übernachtungen ging es am Morgen weiter Richtung Süden der Östlichen Küste entlang.
Ich teilte sie in 3 Etappen ein und war fast immer räumlich unterwegs. Im Wellengang Vorsegel - Baum setzten , Grossegel mit Pulltalje sichern, zugleich mich mit der Liveline sichern. Wieder einnehmen, Segelstellung verändern, bei zu wenig Wind Vorsegel einrollen und Motor starten.
Das Prozedere wiederholte sich einige male. Das gibt Training und ist sehr hilfreich wenn bei auffrischendem Wind jeder Griff sitzt.
Habe natürlich hauptsächlich die Fahrt genossen , die eindrücklichen Küstenfelsen mit den dahinterliegenden Dörfer und Berge , an denen ich langsam vorbei segelte.
Unterwegs in Porto Taverne hatte ich eine ausserordentliche Schweizer Familie mit 2 Töchtern kennen gelernt die alles in der Schweiz verkauft haben und nicht mehr zurück  in die Schweiz wollen. Im Moment leben sie auf dem Schiff und träumen , sich in ca 2 Jahren in Panama niederzulassen. Sie sind sehr überzeugt von ihrem Vorhaben und ich Hoffe das Ihr Traum  ihnen viel Freude bringen wird.
Unterwegs gab es relativ hohen Schwell welche mit der Peel gut zu meistern war.
Diese Nacht hänge ich wieder am Anker in einer wunderschönen gut geschützten Bucht. (Cola di Capricciola)


Da ich mich entschieden habe Die Strasse von Bonifatius zu überqueren und in Sardinien an Land zu gehen geht es am Morgen 16, Sept. schon wieder weiter. Vielleicht Treff ich dort einen sehr guten Kollegen namens Salvi, ich lass mich mal überaschen.

Mittwoch 16. September,
wieder einmal ein wichtiges Datum. 
Der Wind und das Wetter versprachen  mir die besten Voraussetzungen um die Strasse von Bonifacio zu überqueren.
Meistens mit Wind von 4 - 5 Bft und einer Wellenhöhe von ca. einem halben Meter und mehr, bewegte sich die Peel sehr zügig und handlich mit einem Kurs von 185 Grad.
Sehr oft, so um die 70 Grad am Wind und auf direktem Weg, von der kleinen Ankerbucht (Cola di Capricciola  41 38' 811 N  /  922 7' 54 E  nach Porto Pozzo.
So eine spritzige schneller Fahrt auf eine Distanz von 29 sm in 6 Std ist eher selten.
In Porto Pozzo hatte ich mich per Funk angemldet. Ein Marinero kam mir mit dem Schlauchboot entgegen. Verwies mich an eine Boje an der ich ca. 2 Std warten müsste. Der Grund war "Siesta". Das ist einfach so, da gibt es nichts zu bemerken.
Unterdessen habe ich mich bei Salvi gemeldet. Ich erfuhr dass er da ist. Für mich war es eine freudige Überraschung. Es ist nicht selbstverständlich das sich jemand einfach den Weg und die Zeit nimmt um nur einfach mich zu treffen. "Chapeau"
Wir vergnügten uns mit einem kleinen Segelausflug im Revier um zu schnorcheln und Baden
Viel Gespräch bei Bier und Wein usw. Es war einfach amüsant und unvergesslich
Lustig war auch die Kuhfamilie d.h. Der Muni ,die Kuh und das Kalb liefen frei herum. Ab und zu auch im Hafenareal von Porto Pozzo, sah aus als wäre das ihr Revier. Schön diese ungestressten Tiere zu sehen.

Porto Pozzo in Nord Sardinien war mein südlichstes Ziel geworden.
Nach 2 Tagen Aufenthalt legte ich wieder ab nach Korsika, da die Wind Prognosen noch einigermassen gut sind und nächste Woche Stürmische Winde vorausgesagt wurden.
Es war mir wichtig, dass ich wieder nördlicher bin in der Nähe der italienischen Küste.
Zügig war auch wieder die Überfahrt zurück nach Korsika. 
Die Nacht verbrachte ich in einer Bucht am Anker. Noch schwimmen gegangen, besser gesagt, mich noch abgekühlt und gewaschen im Meer
Und weiter ging die Fahrt Richtung Norden.

Das Barometer ist unterdessen von 1011 auf 985 Hektopascal gesunken
Ich wollte heute Abend unbedingt in einem Hafen anlegen. 
Es gab kein Wind, also Motor an und auf direktem Weg nach Solenzara.
Das Wetter schlägt tatsächlich um. Es wird gewittrig die Winde sind auch alles andere als komfortabel, entweder gegen mich, zu stark oder zu schwach
Da Solenzara schön und belebt ist lädt es zum verweilen ein.
Ich werde sicher bis Montag hier bleiben und danach wieder neu die Weiterfahrt beurteilen.

Sonntag 20. Sept. 2020
Heute habe ich einen speziellen Tag, zugleich ist es Sonntag und bin alleine mit der PEEL in Korsika unterwegs. 
Ich denke das sollte man ein wenig feiern. Ich bleibe sowieso 2 Nächte in Solenzara. Der schwache Wind und die unsichere Wetterlage sagt genügend aus um in Ruhe mal Pause machen.
Hier traf ich zum zweiten mal die nette Seglerfamilie, ich fragte sie ob sie lust hätten einen Apero mit mir zu Trinken. Sie nahmen mein Wunsch gerne an.
Im nachhinein wurde ich spontan zum Nachtessen auf ihre Sirius 31 eingeladen. 
Danke, das war ein schöner Abend.
Sonst hatte mir Solenzara alles geboten was man so braucht, es lebt.

Dienstag 22. Sept. 2020
Heute geht es wieder weiter nordwärts  der Küste entlang bis Taverna in Korsika unter Gennaker und  Motor. Wie prognostiziert, sah ich während der Fahrt wie sich einige Gewitter über der Insel bildeten. Kurze Zeit später auch nördlich und südlich. 
Ich hoffte, dass ich mich durchschlängeln kann. Aber es ist ja klar, irgend eines erwischt dich.
Das war auch so. 
Kurz vor der Gewitterfront nehme ich als erstes die Segel herunter, ziehe Gummistiefel und Gummihandschuhe an. Dann bin ich wenigstens ein schlechter Stromleiter und dann " Grind abä und secklä" Die Sicht verschlechterte sich um einiges.
Das Erlebnis ist natürlich überwältigend du merkst schnell einmal wie unbedeutend du bist auf dieser Welt. 
Auf den Abend wurde es ruhig. Ich entschied etwas südlich von Taverne die Nacht am Anker zu verbringen. Als Dank konnte ich die schöne Abendstimmung geniessen, welche ich vom Hafen aus nicht  so gut mitbekommen hätte.

Mittwoch 23. Sept. 2020
Heute führt mich die Fahrt von Korsika nach Elba. Da das Wetter übermorgen stürmisch wird wollte ich unbedingt noch Elba erreichen. 
Für heute sieht es nicht schlecht aus, anfangs zuwenig Wind später dann von SE auf ESE drehend.
Morgens um 0400 h Anker hoch und die Überfahrt begann.
Es war auf den ersten Moment stockdunkel, bis ich ein gewaltiges Lichtspiel erlebte von weit entfernten Gewittern.
Das aufleuchten der Blitze, die Sterne funkelten einzigartig, Sternschnuppen leuchteten auf, Satelliten schwirrten umher. Vermutlich Quallen und Algen leuchteten im Wasser auf.
Die dunkle Nacht wurde zum Lichterspektakel.
Beim passieren der Insel Pianosa kämpfte ich am Wind gegen ein Meter hohe Wellen bei ca 4 Bft
Die Peel stampfte sich fest und die Fahrt wurde zu langsam. Ich habe noch 22 sm vor mir und will natürlich noch bei Tageslicht ankommen. Ich versuchte es ab und zu  mit Motorunterstützung welche ein vorankommen etwas beschleunigte.
Dieses Spiel dauerte ca. 2 h lang, dann drehte der Wind auf SE  die Wellen nahmen etwas ab.
Das Segeln wurde wieder genüsslicher und die Fahrt ging rassig voran.
Bei der Einfahrt in Porto di Azzurro Elba begann es leicht zu Regnen.
Kaum hatte ich  im Hafen festgemacht, überraschte ein Platzregen, welchen ich beim Anlegebier schmunzelnd und zufrieden in der Kajütte genoss "ha ha"
Der Hafen sieht herzig aus nützt dir aber nicht viel, wenn die Sanitären Anlagen im Dorf sind und die Capiteneria auf der Gegenseite in einem Hotel. Zudem war eine Übernachtung 40 Euro normal bezahlte ich immer zwischen 11 und 18 Euro.
Ich beschloss Morgen weiter zu segeln nach Italien so wie es aussieht noch bei besten Windverhältnissen und war nicht bereit die folgenden stürmischen Tage hier abzuwettern.

Donnerstag 24. Sept. 2020
Schon geht es wieder weiter nach Port San Vincenzo italienisches Festland.
Heute sind die Prognosen, ich denke super und herausfordend.
4 - 6 Bft meistens auf halbem Wind.
Ja das war eine spritzige Fahrt ein Tanz mit den Wellen , total genüsslich und konzentriert die ganze Zeit von ca 5 h.
Da ich eine Stunde zu früh mich dem Port San Vincenzo angenähert habe, erhielt ich per Funk die Antwort. "Bitte noch nicht einfahren erst ab 1500 h. Der Grund war klar, Siesta ist auch wichtig !
Später nach dem festmachen im Hafen ein Anlegebier, verdient und genossen
In der Nacht erreichte die Schlechtwetterfront das Land in voller Wucht. 
Mit Nachtruhe war es vorbei.
Der Hafen gefällt mir Capitaineria ,Shipyard im gleichen Büro, moderne Sanitäre Anlagen. 
Abfall auch in der Nähe und auffallend, das Personal ist sehr freundlich.

Freitag 25. Sept. 2020
4 - 5 Meter hohe Wellen preschten voll gegen die Hafenschutzdämme. Sie wurden immer wieder überspühlt und die Gischt flog über das ganze Hafenbecken. Ich und die Peel wurden zu "Salzstängeli". Musste den Gennacker abmontieren der rupfte bei dieser Windstärke zu stark am Getackel. Die Peel wurde heftig an den Steg gedrückt dabei  platzte ein unverwüstlicher Fender, den ich zum Glück ersetzen konnte.
Gegen Mitternacht wurde es etwas ruhiger so dass ich beruhigt schlafen konnte.

Samstag 26. Sept.2020
Ich beschloss heute , hier in San Vincenzo aus zu wassern. Aus verschiedenen Gründen ist das ein lohnender Entscheid und meines Erachtens ein optimaler Hafen.
Das heisst hier endet mein Törn auf dem Wasser . Weiter gehts in 3 Tagen auf der Strasse mit Trailer und Boot nach Hause.



Fazit dieses Törns

Einhandsegeln:   Vermisste eine Windfahnensteuerung, es kann ab und zu  
                               anstrengend sein den ganzen Tag  die Pinne zu bedienen. 
                               Der Automat der mit der Pinne gekoppelt wird, ist nur begrenzt und 
                               kurzzeitig einsetzbar.
                               Man macht eigentlich alles selber, da gibt es nichts zu teilen, wie  
                               anlegen, ablegen, vorbereiten, segeln, kochen, Wäsche, einkaufen,  
                               navigieren, Logbuchführung! funken, organisieren, kleinere 
                               Reparaturen und natürlich am Schluss noch bloggen usw.

Vorteile:               Mit einem kleinen Boot 22 Fuss ist man flexibel. 
                              Die Herausforderung mit der Peel auf grossem Wasser zu Segeln                                      war ganz besonders spannend.
                              Die Erwartungen hat die Peel ganz klar übertroffen, das hat mich  
                              begeistert.
                              Man hat hauptsächlich nur für sich Verantwortung zu tragen. Selbst  
                              entscheiden ist einfach, wenn man sich traut.

Nachteile:            Allein unterwegs, fehlte mir mit der Zeit das teilen der Erlebnisse.
                               Aber eben zu zweit in so einem kleinen Boot länger Zeit unterwegs,  
                               ist schon gewöhnungsbedürftig.

Wichtig:                Seriöse gute Vorbereitung bevor man ablegt.
                               Ab und zu Schiff ab checken ob alles i.O. ist.

Im Moment bin ich zufrieden und und für eine Weile gestillt. Habe viel schönes und spannendes erlebt. Wer weiss, vielleicht juckt es mich bald wieder.
Die Peel wird sicher am Frühling 2021 wieder startklar sein.

Lässt Dich ein ähnlicher Segeltraum nicht mehr los in Deinen Gedanken, dann arbeite daran. So bald die Zeit gekommen ist, muss man es einfach machen.

That's it